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Zu Gast im Senegal

Schwester M. Martha, Generaloberin der Gemeinschaft und Schwester Marie Ange aus Mehagne sind im Januar 2020 der Einladung von Schwester Licia, der Generaloberin unserer Schwestern den Franciscan Sisters of the Poor nach Senegal gefolgt, um den Rosenkranz Mutter Franziskas abzuholen. Wir hatten diesen unseren Schwestern im Senegal anlässlich des 200. Geburtstags unserer gemeinsamen Ordensgründerin für ein Jahr überlassen.

Schwester M. Martha berichtet über die Reise ...

Zu Gast im Senegal

Donnerstag, 2. Januar
Die Koffer sind gepackt und wir machen uns mit großer Spannung in ein unbekanntes Land an der Westküste Afrikas auf den Weg. Vom Flughafen Brüssel aus erreichen wir nach etwa sieben Stunden Flug die senegalesische Hauptstadt Dakar am westlichsten Punkt von Afrika. Bei sommerlichen Temperaturen von 27 Grad Celsius. Nach Passkontrolle und Abgabe unserer Fingerabdrücke werden wir wie Diplomaten bevorzugt behandelt und von einem Beamten auf dem kürzesten Weg zum Ausgang geleitet. Wir wussten nicht, wie uns geschah! Dort werden wir von Schwester Marie Augustine, der ersten senegalischen Schwester der Gemeinschaft, sehr herzlich empfangen. Auf die Frage, warum wir bevorzugt empfangen wurden, erklärt Schwester Marie Augustine uns, dass die katholischen Ordensschwestern ein sehr hohes Ansehen in dem muslimischen Land genießen. Es gibt dort circa fünf Prozent Christen. Die Autofahrt beginnt sehr abenteuerlich. Nachdem wir das Gelände des Flughafens verlassen haben, werden wir auf der Straße von Kühen begrüßt. In Deutschland undenkbar! Unser erstes Ziel ist die katholische Pfarrkirche in Dakar. Auf dem Weg dorthin bekommen wir den ersten Eindruck von der Hauptstadt Dakar. Am Flughafen moderne Gebäude; je mehr wir aber in das Stadtinnere kommen: ein Verkehrschaos, Verkehrsstaus, Autos, größtenteils „Rostautos“, überladene Fahrzeuge, große orange Staubwolke (Sahara-Sand), und ein Meer von farbenfroh gekleideter Menschen. Es geht vorbei an Hochhäusern, Moscheen und bunten afrikanischen Märkten nach afrikanischem Geschmack. Wir erreichen die Kirche und feiern den Gottesdienst mit: Ein Vorteil, katholisch zu sein: Den Ablauf der heiligen Messe kennen wir. Ein besonderer Blickfang vor der Kirche ist eine Krippe mit einer glänzenden, bunten Lichtinstallation. Nach dem Gottesdienst fahren wir zu den Schwestern. Diese wohnen am Stadtrand in unmittelbarer Nähe des Atlantischen Ozeans. Er ist nur durch eine Schnellstraße vom Schwesternhaus getrennt. Diese Schnellstraße ist die einzige „Autobahn“ im Senegal - offen auch für Pferdekutschen, Schafe, Esel und geeignet zum Überqueren von Fußgängern. Wir werden von Schwester Licia, Schwester Geneviéve, Schwester Jaqueline und Schwester Sylviane empfangen. Es folgt eine herzliche Begrüßungszeremonie mit Tanz, Trommeln und viel Tam-Tam. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, wird uns ein festliches Abendessen serviert. Danach gehen wir mit vielen neuen Eindrücken - und müde - in einer anderen Welt zu Bett.

Freitag, 3. Januar
Wir beginnen den Tag mit den Laudes und Tageslesungen sowie Betrachtung in der farbenfroh und weihnachtlich geschmückten Schwesternkapelle. Nach dem Frühstück, begleitet von Schwester Licia, fahren wir in das Zentrum von Dakar, um die erste katholische Kathedrale im Senegal zu besuchen. Die Kathedrale wurde 1929 - Senegal war damals noch französische Kolonie - in einer Mischung von regionalem Baustil und orientalisch- byzantinischen Elementen erbaut. Zwei hohe, minarettartige Türme vereinen sich zu einer zwanzig Meter hohen Kuppel. Zu dem Gebäude gehört ein großer Garten und eine Grundschule. Schwester Marie Augustine ist in diesen Tagen unsere Begleitung und eine exzellente Autofahrerin in einem unbeschreiblichen Verkehrschaos. Unser nächstes Ziel ist heute das UNESCO–Weltkultererbe, die Insel Gorée. Nach Passkontrollen besteigen wir am späten Vormittag das Fährschiff zur Sklaveninsel Gorée, wo wir das dunkelste Kapitel des Sklavenhandels erahnen. Neben dem eindrucksvollen Mahnmal am Eingang der Stadt, das einen Mann zeigt, der,- umarmt von einer Frau,- die Ketten der Sklaverei zerreißt, besichtigen wir die völlig touristenüberlaufene „Maison des Esclaves“ (Haus der Sklaven). Dort befanden sich über viele Jahrhunderte im Dunklen eingepferchte Sklaven. Heute beherbergen die engen Räumlichkeiten ein Museum, das an den Sklavenhandel erinnert. Am „Tor ohne Wiederkehr“ werfen wir einen wehmütigen Blick auf den Atlantik. Von hier sind unzählige Afrikaner von den Kolonialmächten als Sklaven in die Karibik und nach Südamerika verschifft worden. Heute dient das Gorée Memorial als UNESCO- Kulturdenkmal gegen das Vergessen der Greueltaten. In der Mittagszeit werden wir von Schwester Licia zum Mittagessen eingeladen. Fisch und Hähnchengerichte, typisch für die senegalesische Küche. Am höchsten Punkt der Insel steht zudem noch heute eine alte Kanone, die zur Verteidigung von Gorée im Zweiten Weltkrieg gedient hat. Die Aussicht zurück nach Dakar ist von dort oben einfach überwältigend. Auf der ehemaligen „Insel des Schreckens“ herrscht heute unter Touristen und Inselbewohnen eine fast idyllisch anmutende Atmosphäre. Wir besuchen auf dem Rundgang über die Insel auch die katholische Kirche St. Charles Borromeo. Auf der Insel treffen wir viele Künstler, die dort ansässig sind. Diese stellen an jeder Ecke ihre Kunstobjekte zur Schau, z.B. ein Künstler, der aus dem unterschiedlich gefärbten Sand des Landes wunderschöne Bilder herstellt. Mit diesen nachdenklich und traurigen stimmenden Eindrücken machen wir uns wieder auf den Weg in das Stadtzentrum Dakar. In der Dämmerung des Abends besuchen wir noch ein Geschäft mit unendlich vielen und schönen Stoffen. Wieder im Schwesternhaus angekommen, stärken wir uns und gehen übermüdet zu später Stunde ins Bett.

Samstag, 4. Januar
Nach Laudes und Frühstück steht heute auf dem Programm: Besichtigung des Monuments der afrikanischen Renaissance. Das Monument ist eine 49 Meter hohe Bronzestatue und wurde auf einem Basaltkegel im Stadtbezirk Ouakam errichtet. Es ist die höchste Statue in Afrika. Das Denkmal soll die Idee der Afrikanischen Renaissance verkörpern. Es ist aus drei Zentimeter dicken Bronzeblechen gefertigt und zeigt, wie eine Frau und ein Mann mit einem Kind auf seinem linken Arm vereint aus einem Vulkan steigen. Der ausgestreckte Arm des Kindes zeigt in Richtung Westen über den Ozean.  Nachts wird das Denkmal von mehreren Scheinwerfen beleuchtet und der Kopfschmuck des Mannes strahlt in wechselnder, farbiger Beleuchtung. Im Inneren befindet sich eine Ausstellung. Mit dem Fahrstuhl kann man in den Kopf des Mannes zu einer Aussichtsplattform fahren. Das Denkmal wurde von einer nordkoreanischen Firma im Jahr 2010 errichtet. Wir erfuhren, dass seine Ausführung für viel Kritik gesorgt hat. Von Kunsthistorikern wurde darauf hingewiesen, dass das Denkmal stark an einen stalinistischen Stil erinnere und die Gesichtszüge der Familiengruppe kaum afrikanisch seien. Nach der akrobatischen Leistung, der Besteigung von 180 Treppenstufen hinauf zum Denkmal, nehmen wir ein reichhaltiges Mittagsmahl bei den Schwestern ein. Am späten Nachmittag treffen Schwester Licia, Schwester Marie Ange und ich uns zum Austausch über die Situation in unseren Gemeinschaften. Für das 175-jährige Bestehen unserer Ordensgemeinschaft erstellen wir für die Schwestern und die Assoziierten gemeinsam den Entwurf eines Leitwortes für das Jubiläumsjahr 2020. Ein Höhepunkt des heutigen Tages steht noch aus: Die Feierliche Übergabe des Rosenkranzes von Mutter Franziska. Nach dem Abendessen machen wir uns gegen 20:30 Uhr auf den Weg zur Feierstunde in der Pfarrkirche. Ein geschmücktes Bild von Mutter Franziska mit einer bunten, flackernden Beleuchtung empfängt uns in der Kirche.  Gebete, Fürbitten, Gesang, Tanz, sowie PowerPoint Präsentation über das Sendungscharisma, wie es heute gelebt wird, füllen das Programm. Zu diesem Anlass wurde eigens von einem berühmten Sänger Senegals ein Lied zu Mutter Franziska getextet und komponiert und bei der Feier selbst gesungen. Ein Assoziierter hat einen poetischen Text über Mutter Franziska vorgetragen. Während der Feier wird der Rosenkranz Mutter Franziskas an mich zurückgegeben. Als Gastgeschenk haben wir, Schwester Marie Ange und ich, eine Reliquie Mutter Franziskas mitgebracht. Währenddessen gibt es Freudentränen, und es sind laute Begeisterungsrufe und großer Applaus zu hören. Anschließend wird der Rosenkranz von vielen Schwestern und anderen Gemeindemitgliedern nochmals in die Hand genommen und geküsst.  Es sind Schwestern aus allen Konventen Senegals nach Dakar angereist. Zusammen mit Schwester Licia waren es insgesamt 18 Schwestern. Die Feier dauerte bis circa 23:30 Uhr. Der Tag- und Nachtrhythmus dort ist nicht mit dem europäischen und schon gar nicht mit dem deutschen zu vergleichen.

Sonntag, 5. Januar
Gestärkt durch Gebet und Frühstück, feiern wir um 10:30 Uhr die heilige Messe in einer vollbesetzten Kirche. Ein Kirchenordner weist die Plätze zu. Von der ersten bis zur letzten Bank sind alle Plätze mit alten und jungen Menschen und vielen Kindern besetzt. Das Festgeheimnis der Epiphanie und Mutter Franziska werden gefeiert. Der zweistündige Gottesdienst wird musikalisch mit Trommeln, Orgel und elektrischer Gitarre gestaltet. Wir staunen über die drei Dirigenten, die den Gottesdienst wundervoll begleiten. Nach dem Gottesdienst werden wir am Vorplatz von vielen Gläubigen herzlich begrüßt; einige wollen ein Foto mit uns machen. Bei den Schwestern wird ausgelassen weitergefeiert. Sie haben ein festliches Buffet organisiert. Das Beisammensein wird durch Geschenkübergabe, Tanz und Gesang aufgelockert. Gegen 16:00 Uhr wird unsere Mittagstafel aufgehoben. Den frühen Abend nutzen wir, Schwester Licia, Schwester Marie Augustine, Schwester Marie Ange und ich, um an den Ozean zu gehen (mit Überquerung der „Autobahn“ – hier ist fast alles möglich!) und uns ein wenig zu entspannen.  Am späten Abend verabschieden sich die angereisten Schwestern wieder. Der Konvent aus Koungheul ist mit dem öffentlichen Autobus gefahren. Gegen 3:40 Uhr werden die Schwestern an Ort und Stelle sein. Kein Problem für die Schwestern, wie sie uns am nächsten Tag berichten. Schwester Licia wird ebenfalls verabschiedet, weil sie morgen ihren Rückflug nach Rom antritt.  Stille ist wieder im Haus eingekehrt. Morgen heißt es, früh aufstehen.

Montag, 6. Januar
Unser Reiseziel ist heute ein Besuch bei den Schwestern in Koungheul. Ein Dorf bzw. eine Stadt trägt immer den Namen des Erstbewohners. Als die Schwestern ihre Mission in Koungheul vor ungefähr 40 Jahren begannen, war kein Strom, kein fließendes Wasser am Ort. Erst vor 20 Jahren bekamen sie elektrischen Strom. Butterbrote schmieren ist angesagt. Danach - gegen 6:00 Uhr - startet die ausgezeichnete Autofahrerin, Schwester Marie Augustine, mit uns in Richtung Koungheul. Außer Schwester Marie Ange und mir fahren die Novizin Schwester Pascaline, die 3 Monate in Koungheul  ein Praktikum absolviert, und die Noviziatsleiterin Schwester Marina, eine Italienerin, mit nach Koungheul. Koungheul ist circa 360 km von Dakar entfernt. Auf der Autofahrt erzählt uns Schwester Marie Augustine, dass die einzige Autobahn anlässlich des Papstbesuches von Papst Johanes Paul II entstanden ist. Der Aufwand hat sich gelohnt. Bis heute profitiert das Land davon. Gut, dass einiges anlässlich eines Papstbesuches investiert wird! Nach Verlassen der Hauptstadt des Landes fahren wir dort entlang, wo seit Generationen in Schwerstarbeit vom Grund des Sees Meersalz abgebaut und getrocknet wird. Nicht immer ist das Reisen über Land im Senegal ein Vergnügen,-  manchmal sogar besonders für den Autofahrer strapaziös. Besonders die Fahrt über staubige und holprige Pisten. Der Straßenverlauf führt durch eine öde Landschaft, und es begegnen uns am Wegrand liegende tote Kühe, verrostete Autos oder Anderes… Es ist einfach eine andere Welt. Der Anblick tut weh. Einige Kilometer vom Zielort entfernt besuchen wir das erste Dispensaire, eine Vergabestelle von Medizin, eine Ambulanzstation für mittellose Menschen. Schwester Rose ist die Leiterin dieser Einrichtung zusammen mit Schwester Christine. Auf dem Gelände befinden sich eine Apotheke, Ambulanzräume, ein Krankenzimmer, ein kleines Entbindungszimmer. Hier kommen Menschen aus der Umgebung zur Erstversorgung, Aufklärung bzgl. Hygiene, Notfallentbindungen Versorgung von Neugeborenen, Nachsorge von Mutter und Kind und vielem mehr.  Wir machen uns weiter auf den Weg. Nach einer guten halben Stunde Fahrzeit erreichen wir den Schwesternkonvent mit den weiteren caritativen Einrichtungen in Koungheul. Dort angekommen erwartet uns nach einer Erfrischungspause ein festliches Mittagessen. Am späten Nachmittag besuchen wir das Internat für circa 60 Mädchen und Frauen im Alter von 8 bis 20 Jahren. Das Internat und die Schule liegen gegenüber vom Schwesternhaus. Als wir ankamen, warten die Mädchen und Betreuerinnen auf uns. Nicht nur wir sind gespannt, sondern auch die Mädchen. Wir werden nach einer kurzen Annäherungsphase von Schwester Anne Claire, der Direktorin der Einrichtung, vorgestellt. Die Begrüßung ist auch hier herzlich, begleitet von Tanz und Gesang. Anschließend werden wir durch die Räumlichkeiten geführt. Insgesamt gibt es nur zwei Schlafräume mit Etagenbetten, - sehr ärmlich. Im Vorraum befinden sich große Regale, wo jedes Mädchen seine Kleider und Wäsche lagern kann, ein gemeinsamer Waschraum, der dringend renoviert werden müsste, und eine Gemeinschaftsküche. Heute sind wir erschlagen von den ärmlichen Verhältnissen!  Das Internat finanziert sich durch Spenden von der Ordensgemeinschaft, einen Minibeitrag von den Eltern (etwa 5 Euro monatlich) oder, wenn die Eltern es nicht bezahlen können durch Naturalien, Milch, Eier, Gemüse oder Anderes. Die Nachfrage, im Internat zu leben, ist groß. Von dort aus besuchen die Mädchen Schulen. Das Ziel des Internats ist, die Mädchen lebenstüchtig zu machen. Die Tagesordnung für die älteren Mädchen ist folgende: 6:00 Uhr aufstehen, Frühstück für die Kleinen vorbereiten (Hirsebrei, ein Getränk), ausfegen, aufräumen. Das Mittagessen wird von einer Angestellten vorbereitet. Ansonsten werden die Mädchen angehalten, sich zu pflegen, die Räume zu säubern. Nachmittags Freizeit und Schulaufgaben. Falls Kinder Hilfe beim Lernen oder bei Schularbeiten benötigen, werden sie individuell gefördert. Nach dem Abendessen treffen sich die katholischen Mädchen um 19:30 Uhr zum Rosenkranzgebet. Die muslimischen Mädchen sitzen dabei, wenn sie möchten. Nur während des Ramadan wird kein Rosenkranz gebetet, um den Respekt vor den Muslimen auszudrücken. Die Sonne ist untergegangen und es ist dunkel. Wir gehen wieder zu den Schwestern. Dort beten wir gemeinsam die Vesper und anschließend erwartet uns ein reichlich gedeckter Tisch. Wir sind erschlagen von der Armut und den vielen Eindrücken, die uns schmerzlich berührt haben.

Dienstag, 7. Januar
Gegen 5.00 Uhr werden wir vom Gebet des Muezzin, des islamischen Gebetsrufers geweckt. Anschließend läuft ein Gebetsband von der Cassette ab, das bis 7.00 Uhr andauert. Hinzu kommen Geräusche von Hahn, Ziegen, Esel und Schafen! Einen Wecker brauchen wir nicht! Gegen 6.45 Uhr treffen wir uns mit den Schwestern, um zur heiligen Messe zu gehen. Aber wir stehen vor einer verschlossenen Kirche (auch das kommt vor!).  Der Heimweg führt uns durch verstaubte Straßen, wo sich bereits reges Leben abspielt. Die Markttische werden mit Waren befüllt. Hübsche junge Frauen in bunten Tüchern balancieren ihre Ware auf den Köpfen. Nach den Laudes wird ausgiebig gefrühstückt. Schwester Anne Clare zeigt uns die Grundschule und den Kindergarten mit 3 Gruppen in der Nähe. Diese Einrichtung ist voll ausgelastet. Die Kinder sind zufrieden und fröhlich und die Eltern sind sehr froh, dass ihre Kinder gefördert werden. Internat, Schule und Kindergarten sind Ordenseinrichtungen, die durch die Gemeinschaft unterhalten werden. Die Eltern zahlen einen minimalen Betrag bzw. bezahlen mit Naturalien. Die Einrichtungen werden auch durch Spender unterstützt, was sehr notwendig ist. Nun heißt es, Abschied nehmen von den Schwestern. Wir machen uns auf dem Weg mit Butterbroten für die Rückreise. Auf den Rückweg besuchen wir ein weiteres Dispensaire, das ebenfalls Schwester Rose leitet, unterstützt von Schwester Anne Marie. Ein staatlicher Krankenpfleger, eine muslimische Hebamme, ein christlicher und weitere Helfer unterstützen die Arbeit der Schwestern. Diese Einrichtung ist noch größer als die, die wir gestern gesehen haben. Sie ist mit einer Apotheke, Erste-Hilfe-Räumen für Verbände, Spritzen, Infusionen ausgestattet. Vor Ort ist kein Arzt. Der Krankenpfleger und die Mitarbeiter führen Laboruntersuchungen, Malariatests und vieles andere mehr selbstständig durch. Die Verschreibung von Medikamenten wird auch hier erstellt.  Ein weiterer Bereich ist die Geburtshilfe; es sind pro Woche circa zwei bis sieben Entbindungen, mit Vor- und Nachsorge für Mütter und Kinder. Ein Notfall-Krankenzimmer ist für geschwächte Mütter und für Kranke vorhanden. Außer der medizinischen wird alle Versorgung von den Angehörigen übernommen. Als wir vor Ort waren, hat eine Großmutter ihre Enkelin und einen neugeborenen Urenkel versorgt. Stolz präsentieren die Mütter ihren Nachwuchs, den sie ständig eingewickelt in Tragetüchern am Bauch oder Rücken mit sich tragen. Überall herrscht Kinderreichtum. Täglich treffen sich Gruppen von Frauen, insgesamt sind es 1.500 Frauen. Sie bekommen, Unterweisung für Kinder, Familie, Hygiene- und Haushaltsversorgung. Sie bekommen Nahrungsmittel mit Couscous, Hirse oder Gemüse. Vor dem Gelände werden die Frauen angeleitet, sich einen kleinen Garten anzulegen mit Salat, Tomaten und anderen Früchten und Gemüsen und diesen auch selbst zu pflegen, oder Einiges davon zu verkaufen, um zu überleben. Viele Frauen machen sich 8 km weit auf dem Weg, um dabei zu sein. Bei diesen Treffen wird gemeinsam gekocht und gegessen. Wir beobachten die Frauen beim Kochen, beim Hirsestampfen – und beim Feiern. Weil die Frauen und ihre Familien sehr, sehr arm sind, können sie sich keine richtige Trommel kaufen. So wird mit Knüppeln, leeren Plastikbehältern und einer Pfeife musiziert und getanzt. Eine Begegnung besonderen Art ist der Besuch des Dorfältesten, der uns begrüßt und sich für die Arbeit der Schwestern herzlich bedankt. Die Frauen waren sehr zufrieden und ausgeglichen. Es ist schon später Nachmittag. Es liegen noch einige Stunden Fahrt vor uns. In den Dörfern umringen uns immer wieder Scharen von Kindern, die uns in Augenschein nehmen und betteln. Die Kinder sind sehr schmutzig, sie gehören zu Bettelbanden. Die Kinder bekommen von uns ein Bonbon und sind damit zufrieden. Am späten Abend kommen wir In Dakar an. Nur eine kurze Absprache. Danach gehen wir schlafen…

Mittwoch, 8. Januar
Den letzten Tag beginnen wir mit Anbetung und Laudes. Wir nehmen Abschied von unseren Schwestern, bei denen wir in Dakar zu Gast waren. Es sind noch einige Besuche geplant: Besuch einer Mädchenschule in der Nähe des Wohnortes unserer Schwestern. Eine dreijährige Mädchenschule mit 3 Fachausrichtungen: Haushalt und Gastronomie, Nähschule, Büro und Computer. Hier können die jungen Frauen einen staatlich anerkannten Abschluss erwerben. Die Freude der Mädchen und Frauen, selber, ihre Kleider nähen und kochen zu lernen, ist groß. Auch wenn die Räume klein und alles sehr beengt ist: sie kommen gerne. Leider können die Schwestern nicht mehr junge Frauen aufnehmen. Doch es wird nachgedacht über Erweiterung und Ausbau. Dieses Projekt wird von Schwester Jaqueline geleitet. Bis vor einem Jahr hat es Schwester Elisabetta geleitet. Wir fahren weiter zum Noviziatskonvent. Schwester Elisabetta und Schwester Annunziata, Schwester Domitilde und Schwester Maria leben dort. In der Nähe befindet sich ein Kindergarten und eine Nähschule. Das Besondere an ihr ist, dass ein muslimischer Schneidermeister hier Lehrer ist. Bei allen anderen Projekten sind Lehrer, Kindergärtnerinnen oder andere Angestellte Katholiken. Der muslimische Lehrer arbeitet seit 1997 dort, und es ist eine sehr kompetente und respektvolle Arbeit, die er leistet.  Ein weiteres Projekt: Im Haus wird von einer anderen Ordensschwester ein Kurs für Frauen angeboten über Frausein, sexuelle Aufklärung und Hygiene. Nach einem italienischen Mittagessen und einer Siesta ist der Abschied gekommen. Wir werden unter Begleitung von Schwester Elisabetta, Schwester Flavienne und Schwester Domitilde zum Flughafen gebracht.  Bei den Kontrollen am Flughafen in Dakar werden wir wieder sehr freundlich behandelt, die Angestellten stellen sich uns mit ihrem Namen vor - unglaublich! Der Rückflug ist wieder von Dakar Flughafen bis Brüssel Flughafen. Wir überfliegen Marrakesch, Casablanca, Madrid und Paris. Glücklich gegen 6:00 Uhr morgens landen wir in Europa mit vielen neuen Erfahrungen, beeindruckenden Erlebnissen und vielen Bildern und Gesichtern der Armut. Wir sind beide sehr beeindruckt und voller Bewunderung über die Arbeit der Schwestern. Über das, was sie in den Jahren an Aufbauarbeit geleistet haben. Und das wird von den Menschen in einem muslimischen Land sehr geschätzt. Was wir mitnehmen? Trotz sehr viel Armut haben wir sehr viel Freude, Dankbarkeit, Kreativität und Zufriedenheit erlebt. Das hat uns am meisten berührt. Es war eine unvergessliche Reise! Wir sind dankbar und nehmen Abschied von einem Land, in welchem uns sehr große äußere Armut begegnet ist. Und doch haben wir einen großen, inneren Reichtum bei den Menschen entdeckt! Das hat uns bereichert und mit Dank erfüllt.

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