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Die aktuelle Situation in Sibirien

Ein sicheres Leben führen können; ein Wunsch vieler Menschen in diesen Tagen. Das Covid-19 Virus hält die Welt in Atem und verbindet die Menschen auf neue Art und Weise: In ihrem Leid und der Angst.

In unseren Novosti berichten wir über die aktuelle Situation der Projekte in Westsibirien. Darüber hinaus stehen wir in engem Kontakt zu unseren Projektpartnern, die uns immer wieder neu informieren.

Novosibirsk

Aus Novosibirsk berichten die Diözesancaritasdirektorin Schwester Daria Rasskazova und ihre Stellvertreterin Natalja Sokolova:

Wir haben verordnete freie Tage bis Ende April. Der Präsident hat den ganzen Zeitraum als arbeitsfreie Tage mit Lohnfortzahlung festgelegt. Für manche Leute ist das gut, denn ihr Einkommen bleibt bestehen. Für kleine und mittlere Betriebe ist das sehr schwer, denn sie haben keine Möglichkeit zu arbeiten oder zu produzieren und dadurch keine Einnahmen, müssen aber weiterhin Löhne zahlen. Menschen, die illegal auf den Märkten gearbeitet haben, werden nicht mehr bezahlt und haben nun von einem Tag auf den anderen kein Einkommen mehr. Und das ist ein großer Teil unserer Klienten.

Die Regelungen sind sehr streng. Ohne schwerwiegenden Grund oder eine Bescheinigung darf niemand mehr das Haus verlassen. Wir sind gestern in die Caritas gefahren, haben Lebensmittelpakete für die Besucher unserer Suppenküche gepackt und versuchen nach unseren Möglichkeiten zu helfen, aber es wird immer schwieriger.

Die Mitarbeiterinnen aus dem Diözesanbüro arbeiten Zuhause. Die Mitarbeiter aus den Projekten halten per Telefon oder Internet Kontakt zu ihren Klienten. In den sibirischen Städten gibt es jetzt wohl im Durchschnitt 10-15 Erkrankte, am Ural 40-50. Wir hoffen sehr, dass sich die Situation nicht verschärft.

Omsk

Aus Omsk berichtet die Caritasdirektorin Julia Fritz:

Es ist uns nun gelungen, in die Liste der Organisationen aufgenommen zu werden, die während der Ausgangssperre arbeiten dürfen. Wir haben den Mitarbeitern Bescheinigungen ausgestellt, mit denen sie sich nun in der Stadt bewegen dürfen. In der Stadt gibt es sehr strenge Kontrollen. Jeder wird kontrolliert. Wer keine Bescheinigung vorweisen kann zahlt 40.000 Rubel Strafe.

In der ersten Woche der Quarantäne konnten wir nirgendwohin fahren. Die Obdachlosen hatten nichts mehr zu Essen. Als wir endlich wieder zu ihnen kommen konnten, waren sie sehr froh. Es war ihnen anzusehen, wie erschöpft und hungrig sie sind. Jetzt kochen wir wieder für sie und füllen das heiße Essen sofort in Einmalgeschirr ab. Außerdem backen wir süße Brötchen und nehmen heißen Tee mit. Es ist natürlich sehr schwierig bei den Obdachlosen den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Sie stehen dicht gedrängt aneinander und wir müssen sie ständig bitten, doch nicht im Pulk dazustehen.

Alle staatlich finanzierten Projekte sind eingestellt. Die Geschäfte sind geschlossen, nur Lebensmittelgeschäfte sind auf. Die Preise auf alle Waren sind stark angestiegen. Die Leute kaufen alles was sie kriegen können, Nachschub wird nicht geliefert.

Tomsk

Aus Tomsk berichtet Olga Pogonina, Leiterin des katholischen Gymnasiums:

In Tomsk ist die Situation bis jetzt nicht so schlimm. Es gibt erst vier Erkrankte, von denen drei schon wieder gesund sind. Trotzdem wissen wir nicht wie es weitergeht und was uns noch erwartet. Trotzdem gilt die Ausgangssperre für alle. Wer zur Arbeit geht benötigt eine Bescheinigung, ansonsten ist nur der Besuch von Lebensmittelgeschäften und Apotheken erlaubt.

Das Gymnasium habe ich umgestellt auf Online-Unterricht. Alle Schüler und ein Großteil der Lehrer sind Zuhause. Der Unterricht erfolgt über das Internet. Ins Gymnasium kommen nur die Mitarbeiter der Leitungsebene und die Lehrer, die den Unterricht nicht von Zuhause aus leiten können. Wir hoffen sehr, dass alle gesund bleiben.

Für die Besucher der Suppenküchen werden Lebensmittelpakete gepackt | Foto: Daria Rasskazova

Mit den gesammelten Spenden zugunsten der Sibirienhilfe fördern und unterstützen wir die Diözesancaritas in Novosibirsk, zu der Caritaszentren in den Regionen Altai, Kemerovo, Tomsk, Omsk, Ischim und dem Ural gehören. Schwestern unserer Gemeinschaft über viele Jahre die Caritasarbeit im postkommunistischen Russland aufgebaut. Ebenso wie Franziska Schervier zu ihrer Zeit, helfen die Caritasmitarbeiter in Sibirien heute vor Ort Wunden zu heilen und Seelen zu retten. Dazu sind sie weiterhin auf solidarische Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

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